21. Juli: Noch kein Welttag – aber in vielen deutschen Städten der Gedenktag für Drogentote / Drogentotengedenktag / Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige / …

Gedenktag für Drogentote
Foto: pixabay – nbandr

„Der Gedenktag für Drogentote geht auf eine Initiative von Angehörigen eines Drogentoten zurück und wurde 1998 in Gladbeck ins Leben gerufen. Schon 2 Jahre später fanden Gedenkveranstaltungen

in über 60 deutschen Städten statt.“ wikipedia.

Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland ist zwar in den letzten Jahren leicht gefallen auf rund 1.200 im jahr 2018, aber wesentlich höher als im „besten“ jahr 2012 mit rund 940 Toten. Quelle: https://de.statista.com/..  In Norddeutschland aber stieg die Zahl der Drogentoten erstaunlicherweise. Quelle: https://www.ndr.de/.. 

International ist die Situation teils viel dramatischer: Während in Europa ca. 0,002% der Bevölkerung (2 Tote auf 100.000 Einwohner in DE; Rekordzahl Europas in Estland mit 5x soviel, rund 10 pro 100.000 Einwohner!)  vorzeitig aufgrund von Drogenkonsum sterben sind es aanderswo wesentlich mehr: In  Russland über 30x soviel, in den USA 7x mehr als in Deutschland. In den USA starb laut UN-Bericht 2017 die Rekordzahl von 70.000 Menschen an einer Überdosis Drogen, allein 47.600 an einer Überdosis von Opioiden. „Überdosen haben ein epidemisches Ausmaß erreicht“, .. In einer besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe der USA, männlichen Weißen zwischen 15 und 34 Jahren, lag die Rate jedoch bei 28 von 100 Todesfällen. wikipedia

Hautveranstaltung 2019 zum Gedenktag für Drogentote (oder auch: Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige oder: Drogentotengedenktag in Deutschland ist in Köln auf dem Rudolfplatz. Da das eigentliche Datum (21.7.) dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, haben wir uns entschieden, ihn um einen Tag vorzuziehen. So erreichen wir am Samstag, den 20.7. in der Innenstadt wohl mehr Leute, als es sonntags der Fall wäre.

„Trotz der Tatsache, dass in diesem Zeitraum mindestens 45.000 Menschen an den Folgen von Kriminalisierung, Schwarzmarktsubstanzen sowie HIV und Hepatitis-Infektionen verstorben sind, konnten wir viele positive Veränderungen bewirken. Entscheidende Schritte haben wir allerdings noch vor uns, wie z.B die Regulierung von Drogenmarkt und -konsum jenseits gegenwärtiger Strafandrohungen.“ https://www.vision-ev.de/?p=11609

DAH-Vorstand Winfried Holz: „Zugleich genügt es nicht, der Verstorbenen zu gedenken. Es ist Zeit zu handeln! Die Zahl der Drogentoten ließe sich mit einfachen Mitteln senken. … Noch immer haben zehn Bundesländer keine Drogenkonsumräume eingerichtet, obwohl diese Einrichtungen Leben retten sowie HIV- und Hepatitis-Infektionen verhindern. Noch immer ist das Notfallmedikament Naloxon, das im Fall einer Überdosis Heroin hilft, im entscheidenden Moment für Drogenkonsumenten nicht verfügbar. .. “ Quelle: https://www.finanzen.net/… 

Neue zentrale Seite aus Köln: http://www.gedenktag.koeln/: „Der 21. Juli wird in den Kommunen durch eine Vielzahl von Akteuren getragen, deren drogen- und Gesundheitspolitische Ansichten und Ziele durchaus unterschiedlich sind. Trotz dieser Tatsache sind sie sich einig in dem Ziel, das Überleben von Drogengebrauchern zu sichern und eine menschliche Drogenpolitik zu erreichen.“ .. „Auch international finden inzwischen zahlreiche Aktionen am 21. Juli statt, 2014 z.B. in Spanien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Kanada, Australien oder Schweden.“

Hintergrund des Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige: Am 21. Juli  verstarb Ingo Marten 1994 auf bisher immer noch ungeklärte Weise. Der Mutter von Ingo gelang es mit einem beispiellosen Einsatz und unter der Mithilfe der Stadt Gladbeck eine Gedenkstätte zu schaffen, die ihresgleichen in Deutschland sucht. Der Gedenkstätte in Gladbeck folgten nun in den nächsten Jahren weitere Orte der Erinnerung und Mahnung in Deutschland.

Anmerkung: Ist dieser Drogentotengedenktag international oder „nur“ regional? Es gibt verschiedene Quellen, die von einem internationalen Gedenktag sprechen; Belege dafür haben wir nicht gefunden und gehen daher weiterhin von einem nur in Deutschland aktiven Gedenktag aus.

In Deutschland steigt zwar seit einigen Jahren die Zahl der registrierten Drogentote (2015 waren es >1.200), aber: „… als Folge von Alkoholmissbrauch gab es über 70.000 und als Folge des Tabakrauchens über 110.000 Todesfälle.“ wikipedia. Jedoch weder der Verband der Drogen- und Suchthilfe (fdr, Hannover) bewirbt diesen Tag,  noch die Drogenbeauftrage der Bundesregierung – 2010 noch „Schirmherrin“ des 21.Juli.

Übrigens: Zum >>Drogen- und Suchtbereicht der Bundesregierung, 212 Seiten, .. gibt es den >>Alternativen Sucht- und Drogenbericht, 192 Seiten, …

Und: Haschisch als Medizin ist in der Bundesrepublik bald Realität:  „Mit Änderungen im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) soll die Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln auf Cannabisbasis in der gesetzlichen Krankenversicherung erweitert werden, die bislang grundsätzlich auf zugelassene Fertigarzneimittel im jeweils zugelassenen Anwendungsgebiet begrenzt war. “ Mehr dazu hier.

Und Europa? „Im Jahr 2000 gab es in der gesamten Europäischen Union 8.838 Drogentote. Bei einer Bevölkerung von 300 Millionen Menschen sind das ca. 3 Drogentote je 100.000 Einwohner und Jahr oder 0,003 Prozent.“ wikipedia . Ganz aktuell: europäischer drogenbericht 2016: highlights – Europa

Buchtipps zum Gedenktag Drogentote:

Vom Schirmherr des Tages: verstorbene Drogenabhängige Kiffen und Kriminalität: Der Jugendrichter zieht Bilanz„Ca. vier Millionen Menschen in Deutschland konsumieren regelmäßig Cannabis. Sie alle müssen mit der Angst vor strafrechtlicher Verfolgung und sozialer Stigmatisierung leben. Der landesweit bekannte Jugendrichter Andreas Müller legt dar, welche gravierenden Folgen das Verbot der Droge hat und warum damit endlich Schluss sein muss.“ 19,99 / gebr. 8,50.

verstorbene DrogenabhängigeHochgelobt: Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges. Der britische Journalist Johann Hari begibt sich auf eine einzigartige Reise – von Brooklyn über Mexiko bis nach Deutschland – und erzählt die Geschichten derjenigen, deren Leben vom immerwährenden Kampf gegen Drogen geprägt ist: von Dealern, Süchtigen, Kartellmitgliedern, den Verlierern und Profiteuren. Mit seiner grandiosen literarischen Reportage schreibt Hari sowohl eine Geschichte des Krieges gegen Drogen als auch ein mitreißendes und streitbares Plädoyer zum Umdenken. »Hervorragender Journalismus, packend erzählt.« Naomi Klein. »Phantastisch!« Noam Chomsky . 448 Seiten aus 2015.

Thematisch nahe:

26. Juni: Weltdrogentag / internationaler Tag gegen Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel / International Day against Drug Abuse and Illicit Trafficking

20. April: Kein Welttag aber in einigen Regionen der Internationale Kiffertag / 420 Day

9. September: Fast ein Welttag: Tag des alkoholgeschädigten Kindes